Kellergassen sollen immaterielles Kulturerbe werden

Die Weinviertler Kellergassenkultur hat das Zeug zum Immateriellen Kulturerbe, darüber waren sich die Kellergassenexperten (v.l.n.r.) Elli Janouschek, DI Christian Kalch, Jimmy Schlager, DI Hannes Weitschacher, Fri

123 TeilnehmerInnen beim Kellergassen-Kongress in Retz

Retz – Mehr als 120 TeilnehmerInnen verzeichnete der zweite Kellergassen-Kongress in Retz, der vom Verein „KellergassenführerInnen im Weinviertel“ gemeinsam mit AGRAR PLUS veranstaltet wurde. Gemeinsam war man sich nach den vielen Vorträgen und Anregungen einig, die Kellergassenkultur als immaterielles Kulturerbe bei der UNESCO zu beantragen, um die vielfältigen Traditionen in den Weinviertler Kellergassen unter Schutz zu stellen, wie Obmann Prof. Dr. Joachim Maly betonte.

Frau Prof. Mag. Maria Walcher, Expertin für immaterielles Kulturerbe, wies darauf hin, dass die Lebensformen und Traditionen als Kulturerbe immer bedeutender werden. Vor allem soll eine kreative Weitergabe sichtbar sein, und man müsse „mit dem Herzen bei der Sache sein“. Das sei bei den Kellergassen sichtbar, was die große Aufmerksamkeit dafür zeigt.

Immer wieder war vom „Zauber der Kellergasse“ die Rede, aber am besten brachte es wohl DI Christian Kalch, Architekt vom Amt der NÖ Landesregierung und ausgewiesener Kellergassenfachmann auf den Punkt: die Kellergassen sind ein Kulturjuwel, die mit Augenmaß errichtet wurden. Behutsam, ans Gelände angepasst, einfach und schlicht seien sie, und kaum einer kann sich diesem Zauber entziehen.

Druckfrisch wurde das Buch „Weinviertler Kellerleben“ von Johannes Rieder und Wolfgang Paar präsentiert, eine Liebeserklärung an das Weinviertel, mit Texten und Bildern von namhaften Autoren wie Alfred Komarek, Peter Turrini oder Rudi Weiß. Als Überraschungsgast trat Jimmy Schlager auf, der frech und charmant zugleich die kleinen Schwächen der Menschen aus der Region aufs Korn nimmt.

Bezirkshauptmann Mag. Andreas Strobl unterstrich bereits in der Eröffnung die besondere Bedeutung dieses Alleinstellungsmerkmales für das Weinviertel und warb um noch mehr Bewusstsein für dieses Kulturgut.

Den Blick zu unseren Nachbarn ermöglichte Dr. Martin Markel von der Masaryk-Universität in Brünn. Er ist ein profunder Kenner der Kellergassen in Südmähren.

Gelungene Beispiele aus verschiedensten Orten zeigten auf, welche kulturellen Hochfeste in den Kellergassen seit Jahren erfolgreich sind. Allen voran das erfolgreiche „Tafeln im Weinviertel“ oder der Erdball in Herrnbaumgarten.

Von vielen Initiativen konnten sich die TeilnehmerInnen am Kongress neue Impulse holen. Sie wurden darin bestärkt, die Kellergassen weiterhin als Räume der Begegnung zu sehen und dafür zu sorgen, dass sie – so wie bisher – ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Ökonomie, Ökologie, Ästhetik und Kultur garantieren.

Retz zeigte sich beim Kongress jedenfalls als Weinstadt von seiner besten Seite. Zahlreiche Gäste nutzten im Anschluss noch die Möglichkeit, den Erlebniskeller unter der Stadt zu besichtigen.

In zwei Jahren, also 2019, soll ein nächster Kellergassenkongress stattfinden. In der Zwischenzeit werden neue KellergassenführerInnen ausgebildet, gibt es den „Advent in der Kellergasse“ im ganzen Weinviertel, und über das ganze Jahr 2018 hinweg ein vielfältiges, umfangreiches Angebot für Kellerliebhaber.

Foto-Credit: AGRAR PLUS GmbH

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